Optimale Mischergebnisse am Pult
14. November 2007Dieser Workshop soll Ihnen Grundwissen über Mischpulte und Ihre Funktionsweise vermitteln. Zudem wird ein Einstieg in die generelle Justierung des Pultes gegeben und mit welchen Tricks Sie die Besten Ergebnisse mit Ihrem Mischpult erzielen können.
Index:
- Anschlüsse – Was gehört wozu?
- Die gebräuchlichsten Anschlusstypen (Chinch | Klinke | XLR)
- Symmetrische Leitungen schützen!
- Signalpegel – was man tun und lassen sollte
- Wie das Mischpult Ihr Signal verarbeitet
- Erste Schritte zum optimalen Sound
Anschlüsse – Was gehört wozu?
Möglicherweise hätten Sie gern vor derInstallation des Studios und Mischpultes einige Antworten auf Fragen, wie die folgenden:
„Wozu brauche ich all diese verschiedenen Anschlüsse auf der Rückseite des Mischpults?”
„Worin unterscheiden sie sich?”
Die gebräuchlichsten Anschlusstypen
Die gewöhnliche Cinch-Buchse (RCA)
Dies ist der „Anschluss”, der in den meisten Stereoanlagen für den Heimgebrauch üblich
ist. Auch bekannt als „Phono”-Buchsen (Kurzform von „Phonogram”), der Begriff wird
heutzutage allerdings nicht mehr benutzt – und außerdem ist es in Englisch zu leicht mit
den „Phone”-Buchsen zu verwechseln, siehe unten. Cinch-Anschlüsse sind immer asymmetrisch
(2-Leiter) und übertragen regulär ein Signal mit einem Leitungspegel („Line
Level”) von etwa -10 dB. Naheliegend ist die Verwendung dieses Anschlusstyps, um
einen CD-Spieler oder ein anderes HiFi-Audio-Gerät an das Mischpult anzuschließen,
oder um den Ausgang des Mischpults mit einem Kassettengerät oder mit ähnlichen
Geräten zu verbinden.
Der vielseitige Klinkenstecker
Der Name „Klinkenstecker” rührt daher, dass dieser Steckertyp anfangs in Telefonvermittlungen
benutzt wurde. Beachten Sie bei Klinkensteckern, dass sich an ihrer Bauart
nicht erkennen lässt, was für ein Signal durch sie übertragen wird. Es kann ein asymmetrisches
Mono- oder Stereosignal sein, ein symmetrisches Monosignal oder für einen
Kanal-Insert gedacht sein (Aus- und Eingang eines Kanals). Die Beschriftung des
Anschlusses wird Ihnen in der Regel erklären, welche Art von Signal hier eingesetzt
werden kann, oder es geht aus dem Benutzerhandbuch hervor (ein
weiterer
Grund, das Handbuch an einem sicheren Platz verfügbar zu halten). Ein Klinkenanschluss für symmetrische
Signale wird auch als „TRS”-Klinkenstecker bezeichnet. „TRS” steht für
Tip-Ring-Sleeve (also: Spitze-Ring-Mantel), womit die Bauweise des Steckers beschrieben
wird.
Der robuste XLR-Stecker
Dieser Anschlusstyp wird allgemein als „XLR” bezeichnet und führt so gut wie immer
ein symmetrisches Signal. Wenn die zugehörigen Verbindungswege richtig ausgelegt
sind, kann der XLR-Anschluss ebensogut unsymmetrische Signale übergeben. Mikrofonkabel
haben in der Regel einen solchen Anschluss, desgleichen die meisten professionellen
Audiogeräte.
Symmetrisch? Unsymmetrisch? Welchen Unterschied gibt es?
Der Unterschied heißt „Rauschen.” Der wichtigste Grund für den Einsatz von symmetrischen Verbindungen ist die Reduzierung von
Störgeräuschen oder Rauschen, und für diesen Zweck sind sie bestens geeignet. Jegliches Kabel verhält sich als Antenne und
nimmt die zufällig vorhandene elektromagnetische Strahlung auf, von der wir ständig umgeben sind: Radio- und Fernsehsignale,
sowie verschiedene elektromagnetische Störungen von Stromleitungen, Motoren, elektrischen Geräten, Computerbildschirmen
und vielen anderen Quellen. Je länger das Kabel, um so mehr Störgeräusche können aufgenommen werden. Aus
diesem Grund sind symmetrische Leitungen die beste Wahl für lange Kabelstrecken. Wenn sich Ihr „Studio” auf Ihren Schreibtisch
beschränkt und alle Verbindungen nicht länger sind als 1-2 Meter, dann reichen asymmetrische Kabel aus – es sei denn,
Sie wären umgeben von starken elektromagnetischen Feldern. Ein weiterer Einsatzfall für symmetrische Verbindungen sind
Mikrofonkabel. Der Grund dafür liegt darin, dass das Ausgangssignal der meisten Mikrofone so schwach ist, dass auch ein
geringes Störsignal bereits große Auswirkungen haben kann, weil es am Mikrofoneingang zusätzlich in hohem Maß vorverstärkt
wird.
Um zusammenzufassen:
- Mikrofone: Symmetrische Anschlüsse benutzen.
- Kurze Verbindungen mit Leitungspegel: Unsymmetrische Anschlüsse sind in einer störquellenfreien Umgebung geeignet.
- Lange Verbindungen mit Leitungspegel: Entscheidend ist die Intensität der Störfelder in der Umgebung; im Zweifel sind symmetrische Verbindungen besser.
Symmetrische Leitungen schützen!
Symmetrische Leitungen funktionieren nach dem Prinzip der „Phasenauslöschung”: Wenn Sie zwei identische, gegenphasige
Signale (eines der Signals wird invertiert, so dass dessen positive Spitzen sich mit den negativen des anderen Signals decken), ist
das Ergebnis … nichts. Eine Null-Linie. Die Signale neutralisieren sich gegenseitig.

Ein symmetrisches Kabel hat hingegen drei Adern:
- Einen Masseleiter, der kein Signal führt, nur „Masse” oder „0″, wohingegen das Signal in den anderen Adern veränderliche Spannungen überträgt.
- Ein „heißer” oder „+”-Leiter, der das Audiosignal in normaler Phase führt.
- Ein „kalter” oder „-”-Leiter, der das Audiosignal in umgekehrter Phase führt.
Während die erwünschten Tonsignale in der spannungsführenden und der kalten Ader nicht parallel laufen, wird jedes Störsignal,
das im Kabel induziert wird, auf beiden Adern dasselbe sein und damit gleichphasig. Der Trick besteht darin, dass das
Signal auf einem Leiter umgekehrt wird, so dass das erwünschte Tonsignal phasenrichtig verläuft, die induzierten Störungen
aber gleichzeitig gegenphasig verlaufen. Das gegenphasige Störsignal ist damit effektiv neutralisiert, während das Tonsignal
intakt bleibt. Schlau eingefädelt?!

Signalpegel – was man tun und lassen sollte
Von dem Moment an, in dem Sie etwas mit Audio zu tun haben, müssen Sie sich mit dem Begriff „Dezibel” und dessen Abkürzung,
„dB”, befassen. Dies führt leicht zu Verwirrung, denn Dezibel können für sehr unterschiedliche Zwecke als Maßeinheit
verwendet werden; sie können ebenso akustische Schalldruckpegel beschreiben wie auch elektrische Signalpegel. Damit nicht
genug: Es gibt mehrere Varianten: dBu, dBV, dBm. Glücklicherweise müssen Sie kein Experte sein, um mit diesen Dingen
umzugehen. Hier ein paar Grundlagen, die Sie sich einprägen sollten:
- „Consumer”-Geräte (z.B. HiFi-Stereo-Anlagen) haben in der Regel Line-Ein- und Ausgänge mit einem (durchschnittlichen) Nennpegel von -10 dB.
- Professionelle Audio-Geräte haben in der Regel Line-Ein- und Ausgänge mit einem Nennpegel von +4 dB.
- Sie sollten -10 dB-Signale immer in -10 dB-Eingänge einspeisen. Wenn Sie ein +4 dB-Signal in einen -10 dB-Eingang einspeisen,dann werden Sie diesen damit wahrscheinlich übersteuern.
- Sie sollten +4 dB-Signale immer in +4 dB-Eingänge einspeisen. Ein -10 dB-Signal ist zu schwach für einen +4 dB-Eingang und wird zu entsprechend schwachen Ergebnissen führen.
- Viele professionelle und semiprofessionelle Geräte haben Pegelumschalter auf den Eingängen und/oder den Ausgängen, mit denen Sie zwischen -10 und +4 dB auswählen können. Achten Sie darauf, diese Schalter so einzustellen, dass sie mit dem Pegel der angeschlossenen Geräte übereinstimmen.
- Eingänge, die mit einem „Gain”-(Verstärkungs-) Regler ausgestattet sind – wie die Mono-Kanaleingänge Ihres Mischpults – können mit stark variierenden Eingangspegeln umgehen, weil mit diesem Regler die Eingangsempfindlichkeit an das Signal angepasst werden kann.
Wie das Mischpult Ihr Signal verarbeitet
Auf den ersten Blick erscheint schon das Blockschaltbild eines einfachen Mischpultes wie der Bauplan einer Raumstation. Tatsächlich
sind Blockschaltbilder eine große Hilfe zum Verständnis der Signalverarbeitung im Mischpult. Hier ein stark vereinfachtes
Blockschaltbild eines typischen Mischpults, um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, welche Abläufe hier stattfinden.

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Eingangskanal
Vorverstärker
Die allererste Stufe in jedem Mischpult, und normalerweise die einzige mit einem nennenswerten „Gain” (Pegelgewinn) bzw. einer „Verstärkung.” Der Vorverstärker ist ausgestattet mit einem „Gain”-Regler (Verstärkungsregler), der die Eingangsempfindlichkeit des Mischpults an den Pegel der Signalquelle anpasst. Schwache Signale (z. B. Mikrofonsignale) werden hier verstärkt, starke Signale gedämpft.
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Equalizer
Dies können einfache Klangregler für Bässe und Höhen sein oder ein vollausgebauter, 4-bandiger parametrischer Equalizer. Wenn Sie mit dem Equalizer Frequenzbänder anheben, findet auch beim Equalizer eine Verstärkung statt. Sie können auch durch die Anhebung mit den Equalizer-Reglern den Eingangskanal übersteuern. In der Regel ist es deshalb besser abzusenken als anzuheben.
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Kanal-Spitzenwertanzeige (PEAK) und Fader
Die Kanal-Spitzenwertanzeige ist Ihr wichtigstes Instrument, um die Regelung der Eingangs„verstärkung” zu optimieren. Beachten Sie, dass sie sich hinter Vorverstärker und Equalizer befindet.
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Master-Bereich
Summenverstärker
Hier findet das eigentliche „Mischen” statt. Die Signale aller Eingangskanäle des Mischpults werden hier „summiert” (gemischt).
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Master Fader & Pegel-Anzeige
Ein Stereo-, Mono- oder Bus-Master-Fader und die Haupt-Pegelanzeige des Mischpults. Es kann mehrere Master Fader geben, entsprechend dem jeweiligen Design des Mischpults – d. h. die Anzahl der Busse oder Ausgänge, mit denen es ausgestattet ist.
Erste Schritte zum optimalen Sound
Bevor Sie an den Einsatz des Equalizers und von Effekten denken, oder an das Abmischergebnis insgesamt, achten Sie darauf,
die Pegel für jede einzelne der Tonquellen korrekt einzustellen. Dies kann nicht oft genug wiederholt werden – die Einstellung
des Eingangspegels ist lebenswichtig zum Erreichen der optimalen Leistung Ihres Mischpults! Hier erfahren Sie wie und
warum.
Der „Gain”-Regler des Vorverstärkers ist der Schlüssel
Jede „Stufe” im Signalpfad des Mischpults fügt dem Signal einen gewissen Rauschanteil hinzu: der Vorverstärker, die EQ-Stufe,
der Summenverstärker, und die anderen Puffer- und Verstärkungsstufen, die im gesamten Schaltkreis des Mischpults vorkommen
(dies gilt insbesondere für analoge Mischpulte). Beachten Sie, dass die Menge an Störgeräuschen, die jede Stufe verursacht,
normalerweise nicht in nennenswertem Maße von dem Signal abhängig ist, das sie durchläuft. Das bedeutet, dass das
erwünschte Signal um so stärker ist, je geringer im Vergleich dazu das Störgeräusch ist. Technisch gesprochen erhalten wir dann
einen besseren „Fremdspannungsabstand” (engl.: Signal-to-Noise Ratio), kurz „S/N Ratio”). Folglich führt uns dies zu dem folgenden
Grundsatz:
Um den günstigsten Fremdspannungsabstand zu erreichen, sollte das Eingangssignal so früh
wie möglich im Signalweg auf den angestrebten Durchschnittspegel verstärkt werden.
Bei unserem Mischpult heißt das: im Vorverstärker. Wenn Sie den angestrebten Pegel nicht durch den Vorverstärker erreichen,
dann werden Sie einen höheren Grad an Verstärkung durch die nachfolgenden Stufen benötigen, was vor allem die Störgeräusche
der vorhergehenden Stufen verstärken wird. Aber bedenken Sie, dass zuviel Verstärkung am Eingang ebenfalls nachteilig
ist, weil hierdurch der Kanalzug übersteuert wird und dadurch Verzerrungen verursacht werden.
Pegel-Einstellung für optimierte Ergebnisse
Nachdem wir nun wissen, was zu tun ist, bleibt die Frage: Wie? Wenn Sie noch einmal kurz das Blockschaltbild des Mischpults
betrachten, sehen Sie rechts, hinter dem Vorverstärker und dem EQ, eine Spitzenpegelanzeige. Diese gibt die Antwort! Die
genaue Bedienungsweise hängt von Ihrem jeweiligen Mischpult und Ihren persönlichen Vorlieben ab, allgemein lässt sich aber
Folgendes sagen:
- Beginnen Sie damit, alle Einstellungen auf deren Minimum zu bringen: Master-Fader, Gruppen-Fader (falls vorhanden), Kanal-Fader und die Regler der Eingangsverstärkung (Gain). Achten Sie auch darauf, dass keine Klangregelung (Equalizer) aktiv ist, und dass alle Effekte und Dynamik-Prozessoren der Anlage ausgeschaltet oder überbrückt sind (z. B. auf „Bypass” geschaltet).
- Führen Sie nacheinander jedem Kanal das in ihm verarbeitete Signal zu: lassen Sie Sänger singen, Spieler spielen, und starten Sie die Wiedergabe an Zuspielgeräten, jeweils mit der größten zu erwartenden Lautstärke. Drehen Sie nun den Eingangsverstärkungsregler langsam auf, während das Signal in den entsprechenden Kanal eingespeist wird, bis die Spitzenwertanzeige anfängt aufzuleuchten; dann drehen Sie sie ein wenig zurück, bis die Anzeigeleuchte nur noch gelegentlich aufflackert. Wiederholen Sie dies mit jedem Kanal.
- Ziehen Sie nun Ihre Master-Fader – und Gruppen-Fader, soweit vorhanden – nach oben bis zum Nennpegel auf (zu erkennen an der „0″-Marke auf der Reglerskala).
- Nun – mit allen Signalquellen auf den Eingängen – ziehen Sie Ihre Kanal-Fader hoch und stellen damit eine erste grobe Abmischung ein.
Damit haben Sie Ihre erste Grundeinstellung. Behalten Sie dabei die Ausgangspegelanzeigen im Auge, während Sie die Abmischung
einregeln; achten Sie darauf, dass diese sich nicht über längere Zeit im „Bereich des Maximums” bewegen. Wenn sich
die Ausgangspegelanzeigen ständig im Bereich des Maximums bewegen, dann werden Sie die Kanal-Fader soweit herunterziehen
müssen, bis sich das Gesamtergebnis in einem annehmbaren Bereich einspielt – was von der „Dynamik” unserer Signalquellen
abhängt.






